Erst
im Jahre 1651 brachte ein Vergleich zwischen den evangelischen und
katholischen Grafschaftsfamilien, der sog. Mediationsrezess, Ordnung in
die kirchlichen Verhältnisse des Siegerlandes.
Die Kirche zu Rödgen wurde
Simultankirche. Der evangelische Geistliche der Doppelpfarrei hatte
seinen Sitz zu Rödgen, der katholische Pfarrer in Wilnsdorf.
Die alte Kirche wurde im
Jahre 1778 wegen Baufälligkeit abgebrochen und an ihrer Stelle wurde in
den Jahren 1779 bis 1782 die heutige evangelische Kirche gebaut, die zunächst
noch simultan genutzt wurde.
Wegen vieler Streitigkeiten unter den beiden Konfessionen, insbesondere
wegen der im Sinne des evangelisch-reformierten Kirchenbaues erfolgten
Gestaltung des Altarraumes, die dem katholischen Liturgieverständnis
tiefgreifend entgegenstand, ordnete die Regierung an, die Katholiken
sollten sich eine eigene Kirche bauen.
Daraufhin wurde in den
Jahren 1787 bis 1788 westlich vor dem Turm eine neue Kirche errichtet,
so dass der Turm, von beiden Konfessionen genutzt, sich nunmehr in der
Mitte der Kirchen befand.
Die
Evangelische Kirche
Das etwas über 23 m lange und ca. 13 m breite Gebäude hat einen 3/6
Chorschluss und wird nach außen geprägt durch seine schlanken hohen
Fenster mit Rundbogenabschluss.
Im Inneren der Kirche
erhalten die Wände ihre einzige Gliederung durch die bis zum Fußboden
heruntergezogenen Fensterlaibungen. Die flache Decke unterstreicht die Nüchternheit
des Raumes, der jedoch seine prägende Gestalt erst durch die deckend
gestrichenen Holzeinbauten erhält.
Das in jüngerer Zeit
aufgedeckte Datum "1856" im Bereich der Kanzelbrüstung hat
die Frage nach dem Alter der Holzeinbauten aufgeworfen.
Das Westfälische Amt für Denkmalpflege hat hierzu festgestellt, dass
aus seiner Sicht die Holzeinbauten in der evangelischen Kirche als Spätbarock
einzustufen sind und dass dieses Datum auf eine Renovierung oder Ähnliches
hinweist, zumal die Orgel im Jahre 1858 erneuert worden ist.
Zunächst wurde die im Jahre
1680 angeschaffte Orgel in dem 1782 fertig gestellten neuen Kirchenraum
wieder aufgestellt. Die Orgel wurde dann 1858 durch eine neue ersetzt.
Die zur Zeit in der Kirche stehende voll pneumatische Röver-Orgel wurde
im Jahre 1899 aufgestellt. Der originale Blasebalg existiert noch und
ist voll funktionsfähig. Die ursprünglich romanisch gestimmte Orgel
wurde im Jahre 1958 im klassischen Sinne umgearbeitet.
Im Jahre 1999 wurde die mittlerweile 100 Jahre alte Röver-Orgel so überarbeitet,
dass sie wieder ihrer ursprünglichen Konzeption entspricht. Die Orgel
ist nun ein besonderes Kleinod unter den Orgeln Westfalens, zumal auch
der Prospekt original ist und im ersten Weltkrieg nicht eingeschmolzen
wurde.
Die
Katholische Kirche
Die im Jahre 1788 westlich an den Turm angebaute Kirche hat einen klaren
Rechteckgrundriss von ungefähr 18,20 m Länge und 9,20 m Breite. Sie
wurde im Jahre 1938 um eine vierte Fensterachse verlängert. Auf der
ansonsten fensterlosen Westseite befindet sich ein kleiner
Windfangvorbau, durch den man in den Kirchenraum eintritt.
Das Innere der Kirche stellt
sich als einfacher, ungegliederter Raum dar und erfuhr im Jahre 1998
eine gründliche Renovierung. Der Altarbereich ist um zwei Stufen gegenüber
dem übrigen Kirchenschiff angehoben und hat eine Ausstattung
entsprechend der Liturgiereform des II. Vatikanums. Beherrscht wird der
würdevolle Raum von dem vor der Rückwand freistehenden Kruzifix hinter
dem Altar.
Die Seitenwände werden von
mehreren, teilweise auch aus der Vorgängerkirche kommenden, Plastiken
geschmückt. Die früheren Plastiken und die moderneren Gestaltungen in
Bronze stellen mit dem freistehenden Kruzifix und dem Tabernakel eine
kostbare Bereicherung des schlichten Gotteshauses dar.
Der Taufbrunnen bezieht sich
auf das letzte Buch der Bibel und zeigt am Wasser einen der Bäume des
Lebens. "Zwölfmal tragen sie Früchte ... und die Blätter ...
dienen zur Heilung der Völker ..." (Apk 22,2f).
Der Kirchturm
Der Kirchturm steht auf romanischen Fundamenten. Ob auch romanische
Substanz im aufgehenden Mauerwerk vorhanden ist, wurde noch nicht
abschließend untersucht.
Erwähnenswert ist im Turm
die gusseiserne Gedenktafel von 1765 mit lateinischem Text, die ein
Zeugnis der damaligen Eisengießerkunst des Siegerlandes darstellt sowie
das über der Kirchentür an der Außenwand befindliche Sandsteinrelief
von Wolfgang Kreutter aus dem Jahre 1953 mit der Szene der Taufe Jesu im
Jordan durch Johannes den Täufer.
Das Glockengeschoss bildet
ein Quadrat von ca. 4,7 m Seitenlänge bei einer Mauerstärke von immer
noch 1,15 m. Der Turm verfügt auf jeder Seite über gewölbte Schallöffnungen
mit einer Höhe von 1,80 m sowie einer Breite von 0,70 m mit
Rundbogenabschluss.
Die
Glockenanlage
Das Läutewerk wird simultan genutzt und enthält drei Glocken. Die älteste
aus dem Jahre 1512 stammende Glocke ist die Marienglocke. Sie hat ein
Gewicht von ca. 300 kg. Die zweite Glocke ist dem heiligen Martin
geweiht und stammt aus dem Jahre 1924. Diese Glocke hat ein Gewicht von
ca. 500 kg. Die schwerste der drei Glocken mit einem Gewicht von 723 kg
stammt aus dem Jahre 1959. Diese Glocke trägt keinen eigenen Namen, ist
aber mit einem Vers des Obersdorfer Dichters Wilhelm Schmidt verziert.
Allgemeines
In der Pfarrkirche Rödgen verkörpert sich somit ein wichtiger
Abschnitt Siegerländer Geschichte.
Der Konflikt mit dem katholischen Verständnis wurde durch den Bau eines
eigenen Gotteshauses gelöst. Diese Art der Lösung zeugt von der
Vernunft und Kompromissbereitschaft der Menschen damals und wird auch
heute
Quelle: Kreis Siegen-Wittgenstein